Am 24.11. müssen im City Club die Männer draußen bleiben

Flinta*-only-Rave gegen Sexismus in der Clubkultur!

City Club und Feministisches Streikkomitee Augsburg setzen ein Zeichen gegen sexualisierte Übergriffe:
Am 24.11.2023 ist der City Club nur für Flinta*-Personen, also für Frauen, lesbische, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen geöffnet. Die Veranstalter*innen setzen durch, dass Cis-Männer an diesem Abend nicht im Club tanzen. Solidarische Menschen können jedoch im City Café feiern. Die Veranstaltung ist eine Aktion zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, der am 25. November stattfindet.

Jede dritte Frau erlebt in ihrem Leben sexualisierte Gewalt; fast jede weiblich gelesene Person muss sich mit ungefragten Berührungen und sexualisierenden Kommentaren auseinandersetzten. Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen zeigen hohe Fallzahlen: Gewalt trifft fast jede und Übergriffe passieren vor allem im häuslichen Umfeld und durch bekannte Personen. Aber auch im öffentlichen Raum, in Clubs und auf Konzerten erleben nicht-männliche Personen häufiger Grenzüberschreitungen, die von aufdringlichem Verhalten bis zur heimlichen Verabreichung von K.-o.-Tropfen reichen. Im Vergleich berichten Cis-Männer viel weniger von solchen Erlebnissen, die für Flinta*-Personen traurige Normalität sind. Die Folge:
Flinta*s meiden manche Clubs oder Veranstaltungen.

City Club reagiert: Strategie für zukünftige Veranstaltungen
Der City Club setzt zusammen mit den Aktivist*innen des Feministischen Streikkomitees ein Zeichen für die Situation von Menschen, die sexualisierten Übergriffen ausgesetzt sind. Am 24. November 2023 veranstalten sie einen Flinta*-only Rave am Königsplatz mit Deep Techno, Acid Techno, Trance und Hip-Hop. Cis-Männer, also Menschen, die als Männer geboren sind und sich mit diesem Geschlecht identifizieren, bleibt der Zugang zum Obergeschoss verwährt, um auf die unterschiedlichen Erfahrungen von Flinta*s und Cis-Männern im Nachtleben aufmerksam zu machen.
"Die Flinta*-only Party ist ein Symbol für die Lebensrealität von Menschen, deren Sexismuserfahrungen oft heruntergespielt oder nicht ernst genommen werden", erklärt eine Sprecherin des Feministische Streikkomitees. Den Aktivist*innen ist bewusst, dass Übergriffe auch Männer treffen bzw. grenzüberschreitendes Verhalten nicht nur von männlichen Personen ausgeht. Im Vergleich machen aber nur wenige Männer Erfahrungen sexualisierter Gewalt. Da Grenzverletzungen auch in einem Safe Space vorkommen können, wird auf dem Rave das Awareness-Team des City Clubs präsent sein, um sich darum zu kümmern, dass alle eine gute Zeit haben.

Awareness-Teams sind für Feiernde ansprechbar
"Wir möchten den City Club an jedem Abend zu einem Ort machen, an dem sich Menschen wohlfühlen. Deswegen setzen wir seit Kurzem Awareness-Teams auf unseren Veranstaltungen ein. Diese Personen kümmern sich um Menschen, die sich gerade nicht wohlfühlen. Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass wir von allen unseren Gäst*innen erwarten, dass sie Grenzen achten", erläutert die Veranstalterin Johanna Walleser aka Djonni Laser die Motivation des City Clubs. Der Club stemmt die Finanzierung alleine, ist aber auf der Suche nach Fördermitteln, um Awareness-Arbeit angemessen zu entlohnen.

Das Awareness-Team besteht aus zwei bis drei Personen, die von Menschen angesprochen werden können, wenn es ihnen nicht gut geht. "Die Gründe, warum Menschen das Awareness-Team aufsuchen, sind sehr vielfältig. Es geht immer darum, dass die Person mit einer Situation nicht alleine klarkommt, zum Beispiel, wenn sie auf der Tanzfläche betatscht wurde, falls sexistische oder andere Beleidigungen fallen oder wenn sie durch die Clubatmosphäre, durch Alkohol oder Drogen überfordert ist." Dem Awareness-Team, das den gesamten Abend nüchtern bleibt, steht ein Rückzugsraum zur Verfügung, in dem sich Menschen ausruhen und reden können. Ziel ist, dass Personen bestmöglich aufgefangen und nicht alleine gelassen werden. Auf Wunsch der betroffenen Person kann das Awareness-Team auch eine übergriffige Person ansprechen und im Extremfall von der Party verweisen. Präventiv greift das Team jedoch nicht ein.

Aktion gegen Gewalt an Flinta*-Personen
Der Rave setzt den Fokus auf sexualisierte Gewalt und patriarchale Strukturen in der Clubkultur. Dazu gehört auch, dass Künstler*innen oft seltener gebucht werden bzw. Flinta*-Personen seltener als Veranstalter*innen, Soundtechniker*innen usw. auftreten. Die männlich geprägte Kulturszene funktioniert wie die gesamte Gesellschaft: Männer stellen häufiger Männer ein [2]. Männliche Veranstalter entscheiden sich eher für ein männliches Booking als für Personen, die ihnen nicht ähnlich sind - wie die meisten Flinta*s.

Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen geht es auch um diese Form von Ungleichheit. Am 25. November machen feministische Gruppen weltweit darauf aufmerksam, dass psychische und körperliche Gewalt laut WHO "das größte Gesundheitsrisiko für Frauen" darstellen. Unreflektierte Machtgefälle und Misogynie gehören zu den Ursachen für Gewalt an weiblich gelesenen Personen, also Menschen, die von anderen dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. Dem Feministischen Streikkomitee ist dieser Aspekt besonders wichtig, denn nicht nur Frauen sind von sexualisierter Gewalt betroffen, sondern auch nichtbinäre, Trans- oder Inter-Personen. Diese Menschen erfahren oft Diskriminierung von vermeintlichen Feminist*innen, die ihre Existenz leugnen und sich transphob äußern.

https://frauenstreikaux.blackblogs.org
https://cityclub.webflow.io/

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