Zurück in die Zukunft: Die Karibische Nacht – die größte Party der Stadt

Die Karibische Nacht war die größte Partyreihe, die es in Augsburg je gegeben hat. In den Jahren 1992 bis 2002 fanden insgesamt elf Events an der Lechstaustufe 23 bei Merching statt, wo sich bis zu 12.000 Partypeople zu Cosmic-, Afro- und Reggaeklängen friedlich und ausgelassen tummelten. Wir trafen den Master of Ceremony Uwe Schalowski zum Interview.
Von Walter Sianos

Letzten Monat fand eine Karibische Nacht in Königsbrunn statt. Was hast du dir gedacht, als du das mitbekommen hast?
Ich habe mich leicht gewundert, dass sich jemand das Motto meiner Party „ausgeliehen“ hat. Und noch dazu war ja u.a. der Cosmic-Music-Protagonist DJ Stefan Egger dort mit dabei. Er hat diese, ich sag mal glorreiche Zeit, miterlebt und öfters auf meinen Parties aufgelegt. Aber okay, das ist jetzt schon alles über 20 Jahre her.

Die 90er Jahre waren das Jahrzehnt der Diskotheken und Megaparties. Ich habe in alten Ausgaben der Neuen Szene geblättert und war überrascht, wie viele Clubs, Discos und Events es in den Neunzigern gab.
Das ist richtig, Event-Landschaft und Ausgehverhalten haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten sehr verändert, Großveranstaltungen im Partysektor gibt es verglichen mit damals kaum noch, allerdings funktionieren Open Airs wie beispielsweise das Modularfestival. Aber das kann man gar nicht miteinander vergleichen, dazu sind die Veranstaltungen zu unterschiedlich.

Die erste Karibische Nacht lief 1992 vom Stapel. Du hast schon weit davor deine ersten Parties veranstaltet.
Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg (lacht). Die ersten Gehversuche Ende der 80er waren für mich eine Experimentierphase, ich habe alle Richtungen ausgelotet und getestet und alles Mögliche veranstaltet. Mal Konzerte, mal DJ-Events, mal beides zusammen, nur so bekommt man ein Gespür.

Deine Agentur Multikult war aber nicht nur für Parties zuständig, du warst damals der Flyer-Baron der Stadt. Gerade in den 90ern herrschte Hochkonjunktur, keine Party ohne bunte Handzettel.
Vor zwanzig Jahren spielte das Internet kaum eine Rolle und Flyer waren ein unverzichtbares Werbetool. Damals haben alle Veranstalter ihr eigenes Süppchen gekocht, bis ich auf die Idee gekommen bin, alles zu zentralisieren. Ich habe also alle ins Boot geholt und die Flyer wurden praktisch im Kollektiv gedruckt. Dadurch wurde es für jeden günstiger, letztendlich haben alle profitiert. Die 90er waren für die Printindustrie paradiesische Zeiten, ein positiver Nebeneffekt war natürlich, dass ich im Laufe der Zeit jeden Veranstalter und sämtliche DJs kannte.

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Karibische Nacht an der Lechstaustufe 23 zu veranstalten?
Ich war immer auf der Suche nach der perfekten Location und irgendwann bin ich am heutigen Mandichosee mit dem damaligen Kioskbesitzer ins Gespräch gekommen. Wir haben ein bisschen herumgesponnen und überlegt, was man auf diesem tollen Gelände anstellen könnte. 1992 haben wir dann einen Testballon gestartet und die Karibische Nacht war geboren. Bei ersten Mal fand alles ganz relaxed und ohne riesigen Aufwand statt. Wir haben lediglich ein paar Bauzäune aufgestellt und auf einer kleinen Bühne ein paar DJs auflegen lassen, also alles ganz gechillt und relativ unspektakulär. 1.000 Leute feierten eine ausgelassene Nacht und weil alles so reibungslos ablief, haben wir das ein Jahr später wiederholt und konnten lediglich mit Mundpropaganda die Zuschauerzahl verdoppeln. Im dritten Jahr, also 1995, haben wir dann begonnen, das Festival zu promoten.

Und dann ging´s durch die Decke …
Ja, wir sind regelrecht überrannt worden. Der organisatorische Aufwand war im Vorfeld schon immens, aber der Publikumszuspruch bewies, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Bei der dritten Auflage waren es 5.000, ein Jahr später 8.000 und die Jahre darauf pendelte es sich immer zwischen 10.000 und 12.000 Besuchern ein.

Was hatte denn die Karibische Nacht zur erfolgreichsten Party der Stadt gemacht?
Da haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. Aber vor allem waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatten voll den Nerv des Zeitgeists getroffen. Cosmic Music, Afro und Reggae waren total angesagt und die Leute haben auch gespürt, dass wir keine Partyveranstalter waren, die nur auf Profit aus waren. Wir haben immer sehr viel Herzblut hineingepumpt und auch die Liebe zum Detail war eines unserer Erfolgsrezepte.

Du meinst Deko und Rahmenprogramm?
Genau, nicht nur DJs, die auflegen, sondern auch Flair und Atmosphäre waren einzigartig. Wir haben das ganze Gelände dekoriert, mitten auf dem See installierten wir ein Boot mit einem künstlichen Mond. Es gab eine einzigartige Lasershow aus Holland, dazu Feuershows und Bodypainting. Wir engagierten angesagte DJs auf mehreren Bühnen, das ganze Areal war also eine einzige visuelle und spektakuläre Spielwiese. Noch dazu hatten wir immer günstige Eintrittspreise, die zuerst bei 25 DM und später bei 15 Euro lagen. Vergleichbare Events in München haben bis zu 70 Euro Eintritt gekostet.

Wie groß war der logistische Aufwand?
Mit den Jahren wurde er natürlich immer größer und aufwendiger, die Party wuchs und wir wollten auch immer neue Highlights und nicht eine aufgewärmte Auflage vom Vorjahr bieten. Alleine für die Aggregate benötigten wir zehn LKWs, die PA bestand aus zwei Zwölfmetertürmen, was nicht nur imposant aussah, sondern auch den Vorteil hatte, dass wir einen super Sound erzeugten, ohne voll aufzudrehen zu müssen.

Insgesamt fand die Party von 1992 bis 2002 elf Mal statt. Der Zenit war in den Jahren 1997/98 erreicht. Gab es denn nie einen Flop, zum Beispiel bedingt durch schlechtes Wetter?
Da hatten wir tatsächlich großes Glück, der Wettergott war anscheinend ein Fan der Karibischen Nächte. 1995 hat es mal so geregnet, dass wir die Party abbrechen mussten und jeder, der ein Ticket hatte, konnte im Jahr darauf gratis dabei sein. Aber das war die einzige Ausnahme.

Wann hast du gespürt, dass der Höhepunkt erreicht war?
In den letzten drei Jahren waren es im Schnitt nur noch 6.000 Partygänger, was zwar immer noch zufriedenstellend war, aber die Unkosten sind uns mit der Zeit einfach über den Kopf gewachsen. Da spielten viele Faktoren eine Rolle.

Auch Nachahmer zum Beispiel?
Ganz genau. Als wir anfingen, waren wir weit und breit die einzige Großveranstaltung in der Region. Die Polizei hat mir mal erzählt, vor der Karibischen Nacht gab es jährlich ungefähr 30 Veranstaltungen im Großraum Augsburg und 30 im Landkreis Aichach-Friedberg. Danach waren es jeweils 300, das sagt alles. Im Prinzip gab es im Sommer jedes Wochenende irgendwo einen Riesenparty. Auch 9/11 hat das Ausgehverhalten verändert und dann kam noch die Euroumstellung on top.

Hattest du eigentlich nie Ärger mit Anwohnern?
Gab es, aber eigentlich nur 1992 bei der ersten Veranstaltung. Und da hat sich dann später herausgestellt, dass der Lärm nicht von der Lechstaustufe kam, sondern von einer Privatparty am Ilsesee in Königsbrunn. Die Karibischen Nächte waren unglaublich friedliche Veranstaltungen, es gab nie Ärger oder gar Schlägereien.

Und die Behörden?
In den ersten Jahren lief alles reibungslos. Das änderte sich allerdings, als die Gemeinde Merching, der das Gelände gehörte, eine neue Bürgermeisterin bekam, von da an warf man uns immer wieder Knüppel zwischen die Beine. Auch die Landwirte, wir haben über sechs Hektar Felder für 5.000 Parkplätze angemietet, wollten plötzlich utopische Summen. Das Verhalten der Polizei änderte sich ebenfalls nicht zum Guten, irgendwann tauchte ohne Absprache eine Einheit der Bereitschaftspolizei auf und kontrollierte bei der Anfahrt die Autos der Partybesucher, was kilometerlange Staus auslöste und für die Stimmung Gift war. Und auch die Naturschutzbehörde stellte sich plötzlich quer und hat uns mit fadenscheinigen Behauptungen das Leben schwer gemacht, sie konfrontierte uns beispielsweise mit verstörten Enten, die nach der Party im Kreis schwammen. Später hat sich herausgestellt, dass das Enten immer tun, wenn sie auf fließendem Wasser schlafen. Und immer wieder kamen neue Auflagen dazu, mehr Zäune, mehr Security, alles wurde teurer …

2002 war dann endgültig Schluss.
Es ist ein Wunder, dass diese Events überhaupt so viele Jahre erfolgreich waren. Dafür bin ich dankbar, ich habe viele tolle Momente erlebt, viele nette Menschen kennengelernt und unglaublich viele schöne Erinnerungen abgespeichert. Nach der letzten Party fiel mir aber irgendwie auch ein Stein vom Herzen. Man muss wissen, wann man aufhören muss und mir ist das gelungen.

Aber so wirklich Schluss war ja auch nicht …
Stimmt auch wieder (lacht). Mit dem „Tanz der Hexen“ in Ulm lebte eine weitere erfolgreiche Partyreihe auf, dann folgten Events auf Schloss Scherneck und ich habe die ersten beiden Grenzenlos-Festivals auf dem Gaswerkgelände konzipiert und aufgebaut.

Und was machst du heute?
Ich kümmere mich um Auftragsarbeiten für Stadtfeste und konzentriere mich auf meinen Job mit den Drucksachen. Ich will nicht ausschließen, dass ich irgendwann noch einmal was Verrücktes mache, aber dann muss es schon etwas Besonderes sein, sonst macht das keinen Sinn für mich (ws).

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