Girls‘ und Boys‘ Day: IHK will Geschlechterklischees abbauen

Mädchen zieht es in Bayerisch-Schwaben kaum in gewerblich-technische Berufe

Nach wie vor schöpfen vor allem junge Frauen ihre berufliche Potenziale auf dem Ausbildungsmarkt nicht aus. „Vielfach bestimmen klassische Geschlechterklischees die Berufswahl“, sagt Dr. Christian Fischer, stellvertretender Leiter Berufliche Bildung der IHK Schwaben, anlässlich des bundesweiten „Girls‘ und Boys‘ Day“ am 23. April. Nur jeder siebte Ausbildungsplatz im gewerblich-technischen Bereich ist in Bayerisch-Schwaben derzeit mit einer Frau besetzt.

Rund 20.350 junge Menschen absolvieren derzeit in Bayerisch-Schwaben eine duale Ausbildung, davon sind etwa 13.350 männlich und knapp 7.000 weiblich. Mehr als 9.000 dieser Auszubildenden haben einen Beruf im gewerblich-technischen Bereich gewählt – also in Berufen der Elektro- oder Metalltechnik oder im Bereich Chemie oder Physik. Nur 14 Prozent davon sind weiblich. „Dabei zeigt sich in den Abschlusszeugnissen der Schulen, dass deutlich mehr junge Frauen das nötige Talent für diese Berufe mit sich brächten. Doch viele bewerben sich erst gar nicht, weil sie glauben, es handle sich um reine Männerberufe“, berichtet Fischer. Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Im vergangenen Jahr lag der Frauenanteil unter den neu gestarteten Auszubildenden im gewerblich-technischen Bereich mit 13,2 Prozent sogar noch niedriger. „Für die Unternehmen ist das problematisch, weil wir trotz der derzeit schwierigen konjunkturellen Lage eigentlich alle Potenziale nutzen müssten, um den Fachkräftebedarf in diesem Bereich langfristig zu sichern.“

Das sind die Top-Berufe der Azubis in Bayerisch-Schwaben
Rund 250 verschiedene IHK-Berufe gibt es. Doch die Nachfrage konzentriert sich vielfach auf nur wenige Berufe. Mehr als die Hälfte der Verträge entfiel im vergangenen Jahr auf zehn verschiedene Berufe – darunter Kaufleute im Einzelhandel, Mechatroniker oder Fachkräfte für Logistik. Besonders stark fällt die Konzentration bei den weiblichen Azubis aus: Zwei Drittel aller neuen Auszubildenden wählten einen der Top-Ten-Berufe – darunter kein einziger gewerblich-technischer Beruf. Stattdessen starteten die meisten Azubis als Kauffrau für Büromanagement, Verkäuferin und Kauffrau im Einzelhandel. Bei den Männern dagegen dominierten technische Berufe, unter den Top 3 der Industriemechaniker, Verkäufer und der Fachinformatiker.

Mehr Einblicke in die Vielfalt der dualen Ausbildung
Laut IHK-Experte Fischer ist es schade, dass die Vielfalt der dualen Ausbildung auf diese Weise vielfach nicht zum Tragen kommt. „Es fehlt bei den jungen Leuten leider oft an dem Wissen, welche Möglichkeiten ihnen beim Berufseinstieg offenstehen.“ Die Folge: Viele konzentrieren sich auf wenige, oft geschlechtertypische Berufe, in denen die Konkurrenz groß ist. Klappt es mit der Bewerbung nicht, suchen sie enttäuscht nach alternativen Bildungswegen – und gehen dem Arbeitsmarkt manchmal auch vorerst ganz verloren. Die IHK Schwaben versucht mit zahlreichen Angeboten – von Berufsinfomessen über Aktionen wie AusbildungsScouts oder Schulbesuchen – dem entgegenzuwirken. „Der Girls‘ und Boys‘ Day ist eine weitere, wichtige Gelegenheit für eine frühzeitige Berufsorientierung jenseits von Geschlechterklischees“, sagt Fischer.

Wie Rollenklischees den Fachkräftemangel verstärken
Viele IHK-Unternehmen aus der Region sind mit dabei und bieten an diesem Tag Schnupperpraktika oder andere Angebote, die praxisnahe Einblicke ermöglichen. Für die Unternehmen ist es wichtig, bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze aus einem breiten Bewerberpool schöpfen zu können, um dem Fachkräftemangel in der Region entgegenzuwirken. Laut IHK-Arbeitsmarktradar fehlen im Bereich Mechatronik, Energie und Elektronik bereits heute fast 1.400 Fachkräfte, im Verkauf sind es rund 1.250, ebenso viele wie in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik. „Wir müssen uns daher dafür stark machen, dass junge Menschen den Weg in den Arbeitsmarkt finden, der optimal zu ihnen passt. Da stehen uns klassische Rollenvorstellungen oft noch im Weg“, so Fischer.

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